Nachruf auf Bernd Isert

Referent/in: Bernd Isert

 

Termin: abgesagt 02.06.-03.06.2017

 

Bernd Isert ist am 21.1.17 mit gerade Mal 65 Jahren von uns gegangen, ein unermesslicher Verlust für uns alle, die ihn kannten. Und typisch für Bernd, in Nigeria, wie fast immer auf Reisen, die Welt erkundend, von unstillbarer Neugier beseelt. Noch zwei Wochen vorher hatten wir lange miteinander telefoniert, neue schöne  Projektpläne für die nächsten Jahre schmiedend. Noch immer ertappe ich mich bei inneren Gesprächen mit ihm, so, als ob er nur mal wieder einen Spaß machen würde, etwas in mir will einfach nicht die schmerzliche Tatsache anerkennen, dass er nicht mehr da ist.

 

Bernd Isert hat gerade in den ersten 30 Jahren der Entwicklung des NLP wie kaum ein anderer zu seiner erfolgreichen Verbreitung im deutschsprachigen Raum beigetragen. Hier wäre die Entwicklung des NLP ohne ihn ganz sicher nicht so erfolgreich verlaufen, er ist für mich einer der wichtigsten Wegbereiter dieser Ansätze. Immer wieder hat er dabei auch ganz eigene, sehr wirksame Innovationsideen für Interventionen und auch für eine kongruent achtungsvolle Haltung in der Kooperation mit Klienten entwickelt, und dies in einer unnachahmlichen kreativen, spielerischen, auch oft humorvoll-hintergründigen Weise, welche die Wirksamkeit noch intensiv erhöhte. Manche davon wurden von anderen Vertretern des NLP aufgegriffen, ohne ihn zu zitieren, so dass ihm nicht selten die verdiente Anerkennung dafür vorenthalten wurde. Humorvolle Sprüche wie z.B. „Die Lösung lauert überall“ und viele mehr haben unsere professionelle Szene seit Jahrzehnten unnachahmlich bereichert und vielen Menschen Mut vermittelt.

 

Aber darüber hinaus hat er viel, viel mehr bewirkt. Ich kenne niemand, der so wie er ein ungemein erfolgreicher Brückenbauer zwischen unterschiedlichen Konzepten war, deren Vertreter sich oft lange mit ermüdenden wechselseitigen Abgrenzungs- und Abwertungs-Kämpfen abgenutzt hatten. Mit seiner wunderbaren Gabe, Menschen zusammen zu bringen und wieder aufeinander neugierig zu machen, hat er so viel alle bereichernden Austausch und damit auch befruchtende Weiterentwicklungen für viele Konzepte, z.B. das systemische Feld, die Hypnotherapie, die Energie-Psychologie, Schamanistische Verfahren, diverse Konzepte der Team-und Organisationsentwicklung und des Coachings, die Aufstellungsarbeit und und und.. bewirkt. Die von ihm seit mehr als 30 Jahren gestalteten Sommercamps des Metaforum in Europa und in Brasilien genießen zu Recht einen legendären Ruf im gesamten Feld der Beratung und der Psychotherapie. 

Das Schmerzlichste, jetzt aber ist, ihn als Freund und Mensch verloren zu haben. Ich bin selten jemand begegnet, der so aufrichtig, integer und lauter war wie Bernd. Sein unbefleckbarer Optimismus und seine unerschütterliche Liebe kam aus einem reinen Herzen, mit fast kindlich-unschuldigem Glauben daran, dass es möglich ist, unterschiedlichste Kulturen, Konzepte und Lebensentwürfe so zusammen zu bringen, dass sie zu wunderbar konstruktiven, alle bereichernden Entwicklungen führen. Er hat sich auch nicht durch die Mauer zwischen den beiden getrennten Deutschlanden abschrecken lassen, was ihn eine lange, schmerzliche Gefängniszeit in Bautzen gekostet hat. Gerade diese Erfahrung hat ihn nur noch mehr motiviert, fast die ganze Welt zu bereisen, und das war exakter Ausdruck seiner Lebenshaltung. Für ihn war das eine Welt, eine Heimat, und wir alle auf und in ihr eine Familie. Sehr oft hat er dabei seine eigenen Bedürfnisse im Interesse Anderer (auch zum eigenen Nachteil) zurückgestellt, was er aber bewusst in Kauf genommen hat. Gerade in unserer aktuellen Situation war er wie ein leuchtendes Modell für wertschätzende und helfende Begegnungen z.B. auch mit Menschen, die ihre Heimat verloren haben.
 
Dabei war er einerseits ganz sanft und bescheiden und andererseits unglaublich präsent und anregend, so dass auch ganz unwillkürlich in einem selbst bei jeder Begegnung das Feuer einer Perspektive auf die guten Möglichkeiten in und zwischen Menschen wieder stark entfacht wurde. Darum kam man bei ihm nicht herum. Und dies wirkt nach, auch über seinen Tod hinaus. Deshalb ist er auch jetzt nicht „einfach mal so weg“, sondern auch weiterhin lebendig und wirksam in uns. Wir sollten und werden das weiterführen. Das werden wir auch gemeinsam im Weiterführen des Metaforums tun. So können wir unsere Trauer in pulsierendes Leben umsetzen. Bernd, wo immer Du jetzt auch sein magst, wie unser Freund Steve Gilligan mir gesagt hat, wie ein golden Licht leuchtest Du in unseren Herzen immer wieder. Danke für alles, lieber Freund. Und (Bernd hat in jedem Sommercamp in Abano ein sehr schönes Gedicht von R.Kunze zitiert- darauf ist die eine kleine Anspielung) lieber Bernd, ich bin sicher, da, wo Du jetzt bist, ist das Meer immer blau und wird es Meer immer blau sein, und Du kannst befreit dort rudern und segeln.

 

Dr.med.Dipl.rer.pol. Gunther Schmidt

Milton-Erickson-Institut Heidelberg

und sysTelios-Klinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung Siedelsbrunn.

Über Bernd Isert

Lehrtrainer der Society of NLP und des DVNLP, Professional Health Provider (Kinesiologie), Heilpraktiker für Psychotherapie und lizensierter Business- und Management-Coach (ECA). Seit 1985 begleitet und trainiert er Menschen in schöpferischer Kommunikation, NLP und mehr. Er bildete seither eine Folgegeneration von NLP-Anwendern und -Trainern aus.
In dem von ihm begründeten Seminarnetzwerk "METAFORUM international" gestalte er seit 1990 den Sommercampus und seit einigen Jahren den internationalen Worldcampus als integrative Ausbildungsmodelle und soziale Erfahrungsräume. Als Berater und über firmeninterne Seminare erarbeit er systemische Kommunikationslösungen. In seiner Arbeit verbindet er verschiedenste Entwicklungsmodelle, wie NLP, systemische Veränderungsarbeit, Systemische Aufstellungen und Kinesiologie. In Einzelarbeit und Coaching begleit er Menschen zu erfüllter und erfolgreicher Lebensgestaltung.
Als internationaler und interkultureller Trainer gibt er Seminare in Europa, Asien und Südamerika. Er ist Autor der Bücher "Die Kunst schöpferischer Kommunikation" und "Wurzeln der Zukunft ". Vom DVNLP wurde er 2002 zum Ehrenmitglied ernannt.

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